Das Wichtigste zuerst
- Rechnungskauf bleibt möglich. Nichts wird verboten.
- 14 Tage Widerrufsrecht für den Kredit selbst, zusätzlich zum Widerruf der Ware.
- Bonitätsprüfung wird Pflicht statt Entscheidung des Anbieters.
- Auch unter 200 Euro. Genau die Kleinbetragslücke wird geschlossen.
- Klassischer Kauf auf Rechnung ist ausgenommen — wenn der Händler selbst abrechnet.
Der Unterschied, auf den es ankommt
Beide heißen umgangssprachlich „auf Rechnung“, rechtlich sind es ab November zwei
verschiedene Dinge. Entscheidend ist, ob jemand zwischen dir und dem Händler steht.
Bleibt ausgenommen
Kauf auf Rechnung direkt beim Händler. Der Shop stellt selbst die Rechnung, trägt
das Risiko und verlangt keine zusätzlichen Kosten. Klassische Versandhäuser machen das seit
Jahrzehnten so. Hier ändert sich formal nichts.
Fällt unter die neuen Regeln
BNPL mit Zahlungsdienstleister. Klarna, PayPal Ratenzahlung und vergleichbare Anbieter
strecken dir das Geld vor. Das ist ein Kredit — auch wenn er zinslos ist — und wird ab
November auch so behandelt.
Praktisch heißt das: wer den Rechnungskauf ohne zusätzliche Prüfung bevorzugt, sollte
gezielt nach Shops mit eigenem Rechnungssystem suchen. Wer ohnehin bei Klarna oder PayPal bestellt,
merkt vor allem eine Prüfung mehr an der Kasse.
| Thema | Bisher | Ab 20. November 2026 |
| Geltungsbereich | Kredite unter 200 Euro und zinslose Kurzzeitkredite ausgenommen | Auch diese fallen unter das Verbraucherkreditrecht |
| Bonitätsprüfung | Entscheidung des Anbieters | Verpflichtend vor Vertragsschluss |
| Widerruf | Widerrufsrecht für die Ware | Zusätzlich 14 Tage für den Kreditvertrag |
| Information | Unterschiedlich ausführlich | Vorgeschriebene vorvertragliche Angaben |
| Werbung | Kaum Vorgaben | Keine Werbung, die zur Verschuldung verleitet |
| Klassischer Rechnungskauf | Nicht geregelt | Bleibt ausdrücklich ausgenommen |
Was die Regeln nicht ändern. Eine Ablehnung bleibt eine Ablehnung, und niemand
bekommt durch die neue Richtlinie leichter Kredit — eher im Gegenteil. Wer bisher wegen eines
Schufa-Eintrags abgelehnt wurde, wird das auch weiterhin. Angebote, die trotzdem
„garantiert ohne Prüfung“ versprechen, sind nach November noch unseriöser als vorher.
Mehr dazu auf
Auf Rechnung ohne Bonitätsprüfung.
Warum die Regeln kommen
Der Rechnungskauf ist in Deutschland kein Nischenprodukt: er liegt bei rund einem Viertel aller
Online-Zahlungen und damit direkt hinter PayPal. Gleichzeitig waren die kleinen, zinslosen
Finanzierungen bislang vom Verbraucherkreditrecht ausgenommen, weil die alte Richtlinie aus einer Zeit
stammt, in der es sie in dieser Form noch nicht gab. Bei über fünf Millionen überschuldeten
Personen im Land ist das eine Lücke, die auffällt.
Produkte suchen und nach Zahlungsart filtern
Oder: alle Shops mit Rechnungskauf ·
ohne Klarna und PayPal ·
als Neukunde bestellen
Häufige Fragen
Kann ich ab dem 20. November 2026 noch auf Rechnung bestellen?
Ja. Der Rechnungskauf verschwindet nicht. Bei Anbietern wie Klarna oder PayPal Ratenzahlung kommt eine verpflichtende Bonitätsprüfung und ein 14-tägiges Widerrufsrecht für den Kredit hinzu. Der klassische Kauf auf Rechnung direkt beim Händler bleibt von der neuen Regelung ausgenommen.
Was ist der Unterschied zwischen Kauf auf Rechnung und BNPL?
Beim klassischen Kauf auf Rechnung stellt der Händler selbst die Rechnung und trägt das Risiko. Bei BNPL steht ein Zahlungsdienstleister dazwischen, der dir das Geld vorstreckt. Genau diese Zwischenschaltung macht den rechtlichen Unterschied: der erste Fall bleibt ausgenommen, der zweite fällt unter die neuen Regeln.
Ändert sich etwas an der Schufa-Abfrage?
Die Bonitätsprüfung wird bei kreditähnlichen Angeboten zur Pflicht statt zur Option des Anbieters. Wie sie konkret ausfällt, entscheidet weiterhin der Anbieter. Eine Abfrage bei einer Auskunftei gehört in der Regel dazu.
Gilt das auch für Beträge unter 200 Euro?
Ja. Gerade Kleinbeträge waren bisher vom Verbraucherkreditrecht ausgenommen, und genau diese Lücke wird geschlossen. Kleinkredite und zinslose kurzfristige Finanzierungen fallen künftig mit unter die Regelung.
Muss ich jetzt etwas tun?
Nein. Laufende Bestellungen und bestehende Ratenpläne ändern sich durch die neuen Regeln nicht.
Quellen: Richtlinie (EU) 2023/2225 (CCD2), anwendbar ab 20. November 2026 ·
deutsches Umsetzungsgesetz, Bundestag 17. April 2026 und Bundesrat 8. Mai 2026 ·
Biallo: Neues Widerrufsrecht bei Klarna, PayPal und Kleinkrediten.
Diese Seite ist Verbraucherinformation und keine Rechtsberatung. Zuletzt aktualisiert am 5. August 2026.